Veröffentlicht im August 2026

Vom rauen Industriestandort
zum blühenden Zukunftsraum


Wo früher die Schwerindustrie das Bild prägte, entstehen neue Orte für Begegnung, Bewegung und Natur. Die IGA 2027 zeigt in Duisburg, wie eine Stadt den Wandel am Wasser gestaltet – und dauerhaft davon profitieren kann.

Claudia Schoch läuft über eine Anhöhe im RheinPark und nähert sich dem Fluss. Der geschotterte Weg führt vorbei an weitläufigen Gärten, in denen unter anderem hitzeund trockenheitsverträgliche Rosen neben Stauden sowie Gräsern blühen. Dann steigt sie die Stufen hinauf und betritt den Skywalk. Sie schaut sich um und genießt den Blick über Duisburg bis zu den Ausläufern des Niederrheins. Unterhalb der Plattform arbeiten Bauarbeiter im Rhein- Park – für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027.

Schochs Rundgang ist mehr als eine Baustellenbesichtigung. Er ist ein Blick in die Zukunft. „Hier war früher die Schwerindustrie zu Hause“, sagt die Projektleiterin des IGA-Teams Wirtschaftsbetriebe Duisburg. „Künftig sollen hier Menschen flanieren, auf den Flächen spielen und die Aussicht genießen.“

Claudia Schoch ist mitverantwortlich für eines der größten Projekte dieser Zeit in Nordrhein-Westfalen. Die IGA 2027 findet vom 23. April bis 17. Oktober im gesamten Ruhrgebiet statt. Mit den Zukunftsgärten in Duisburg, Dortmund und Gelsenkirchen gibt es drei große Standorte. In Duisburg steht vor allem ein Thema im Mittelpunkt: der Wandel von ehemaligen Industrieflächen hin zu neuen Lebensräumen. Der RheinPark ist dafür ein besonderer Ort. Die Ausstellung soll die Stadt wieder näher an den Fluss bringen. Schon heute, rund acht Monate vor dem Start, lässt sich erahnen, wie dieser Wandel aussehen wird.

Der neue Skywalk wird zu einer Landmarke des Parks. Die Aussichtsplattform eröffnet einen besonderen Blick über die Anlage und den Rhein und macht die Aussicht für alle Besucher erreichbar. „Wir haben hier einen barrierefreien Zugang“, erklärt Schoch.

Ihr Blick wandert über die Landschaft. Die Brücke der Solidarität ist zu sehen, ebenso ein alter Wasserturm, der an die industrielle Vergangenheit erinnert. Unterhalb der Plattform entsteht ein neuer Skatebereich. „Auf dem Gelände sollen sich Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen wohlfühlen“, sagt Schoch.

Bild: Ponnie images/ Druschke NxT

Auch ein großer inklusiver Spielplatz gehört zum neuen Angebot. Kinder verschiedener Altersgruppen werden hier gemeinsam spielen können. Für Schoch zeigt dieses Projekt, wofür der neue RheinPark stehen soll: „Es ist ein Ort für alle Menschen.“

Noch fahren Baufahrzeuge über das Gelände. Doch die Vision ist bereits sichtbar. Auf einer Freifläche entsteht der künftige Eingangspavillon. Die markante, filigrane Holzkonstruktion mit ihrem aufgefächerten Dach, die an Dachplatanen erinnert, soll im Herbst 2026 fertig sein. Hier werden Besucher künftig Zugang zum IGA-Gelände erhalten, ihre Tickets kaufen und Informationen rund um die Ausstellung erhalten.

Gleichzeitig zeigt der Pavillon, worum es bei der IGA auch geht. „Wir setzen auf innovative Architektur, die langfristig nutzbar ist, und auf eine klimaangepasste Stadtentwicklung“, erklärt Schoch. Das Dach sammelt Regenwasser, das anschließend in bepflanzte Mulden geleitet wird. Dort kann es versickern oder verdunsten – ein sichtbares Beispiel für einen natürlichen Wasserkreislauf und moderne Stadtplanung.

Mehr als eine Million Gäste werden allein für den Duisburger Teil der IGA erwartet. Doch für Claudia Schoch endet die Bedeutung der Ausstellung nicht mit dem letzten Öffnungstag. „Wir setzen ein Stadtentwicklungsprojekt um“, sagt sie. „Das, was wir hier bauen, bleibt auch nach der IGA erhalten und steht den Menschen zur Verfügung.“

NEUE WEGE ANS WASSER

Bild: Ponnie images/ Druschke NxT



Ein paar Schritte weiter verändert sich die Perspektive. Am Kultushafen geht es nicht um den Blick von oben, sondern um den direkten Kontakt zum Rhein. Kathrin Schmitz steht an einem Ort, der symbolhaft ist für den Wandel Duisburgs. Die Landschaftsarchitektin verantwortet das Teilprojekt Kultushafen – und sie hat eine besondere Verbindung zu dieser Aufgabe: Sie ist in Duisburg aufgewachsen. „Ich kann mithelfen, meine Heimatstadt nachhaltig zu gestalten“, sagt Schmitz. „Das ist für mich eine Riesensache.“

Jahrzehntelang war der Zugang zum Rhein an vielen Stellen durch industrielle Nutzung geprägt. Nun entsteht ein neuer Uferbereich. Ein wichtiger Schritt ist bereits gemacht: Im Frühjahr 2026 weihte die Hafengesellschaft duisport hier einen neuen Schiffsanleger ein. Eine 45 Meter lange Gangway passt sich flexibel an unterschiedliche Wasserstände an. Schiffe mit einer Länge von bis zu 80 Metern können hier künftig anlegen.

Rund um das Hafenbecken geht der Umbau weiter. Es entsteht ein neuer, für die Öffentlichkeit zugänglicher, multifunktionaler Freizeitort mit Gastronomie und direktem Blick aufs Wasser. Ein Hafenbalkon macht die exponierte Wasserlage erlebbar und verbessert den Zugang zum Wasser. „Das ist ein echter Mehrwert – nicht nur während der IGA, sondern dauerhaft für die Menschen in Duisburg“, sagt Schmitz.

EIN NEUES WOHNZIMMER FÜR HOCHFELD

Der Weg der IGA führt aber nicht nur zum Rhein, sondern auch in die Stadtteile. In Hochfeld entsteht mit dem Grünen Ring eine Verbindung zwischen Innenstadt, Quartier und Ausstellungsgelände.

Wirtschaftsbetrieben Duisburg. Dass sie heute an diesem Großprojekt arbeitet, begann eher zufällig. Eine Freundin entdeckte die Stellenausschreibung und schickte ihr den Hinweis: „Wäre das nichts für dich?“

Kuhl bewarb sich – und gehört seit 2021 zum IGA-Team. „Für mich als Landschaftsarchitektin ist es eine wahnsinnig große Chance, dass ich hier an so einem großen Projekt mitarbeiten kann, das so eine enorme Strahlkraft hat und wirklich den ganzen Stadtteil nach vorne bringt“, sagt sie.

Der Grüne Ring ist ein Grünzug, der den Hochfelder Westen mit Freiflächen sowie Fuß- und Radwegen verbindet. Er gleicht den Mangel an Grün- und Freiflächen im dicht bebauten Stadtteil aus und schafft neue Aufenthaltsorte.

Drei Bereiche gehören dazu. Im Norden ist bereits ein neuer Kleinkinderspielplatz entstanden. Im mittleren Abschnitt, wo die Bauarbeiten sichtbar voranschreiten, steht Bewegung im Fokus Mittelpunkt. Boulder-Felsen, eine Calisthenics-Anlage für Ganzkörpertraining mit dem eigenen Körpergewicht, ein DFB-Minifußballfeld und ein Streetball-Feld entstehen. „Und das Herzstück des Bereiches wird der neue Pumptrack sein“, erklärt Kuhl. Die modellierte Strecke kann später unter anderem mit BMX-Rädern, Mountainbikes oder Rollern genutzt werden.

Doch der Grüne Ring ist nicht nur ein Ort für Sport. Neue Aufenthaltsbereiche sollen ein Treffpunkt für den gesamten Stadtteil werden. Außerdem gibt es Spielpunkte mit Balancier- und Klettermöglichkeiten, Schaukeln und ein Sandspiel. Kuhl setzt sich auf eine Holzbank, die an einen XXL-Tisch anschließt. „Das soll das Wohnzimmer der Hochfelder sein“, sagt die Landschaftsarchitektin, in deren Plänen auch Tischtennis-Platten und Boulebahnen stehen.

Sie kennt den Ort noch aus der Zeit vor dem Umbau. Vieles war in die Jahre gekommen. Gerade deshalb sieht sie die Veränderung als große Chance. Die neuen Angebote sollen unterschiedliche Menschen zusammenbringen: kleine Kinder, Jugendliche, Sportler – aber auch alle, die einfach draußen sitzen und Zeit an der frischen Luft verbringen möchten.

Am Ende führt der Grüne Ring im südlichen Teil weiter Richtung RheinPark und damit zum Eingang der IGA. Auch hier gilt: Der Weg ist nicht nur für die Ausstellung gebaut. „Das Beste an dem Ganzen ist, alles bleibt auch nach der IGA erhalten“, sagt Kuhl.

Rund acht Monate vor der Eröffnung wird an vielen Stellen noch gebaut, gepflanzt und gestaltet. Die endgültige Form des Parks, des Hafens und des Grünen Rings ist noch nicht überall sichtbar. Aber die Richtung ist klar: Duisburg bekommt ein großes Ereignis – und gleichzeitig neue Orte, die die Stadt weit über das Jahr 2027 hinaus verändern werden.

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