In Duisburg wird Technologiegeschichte geschrieben. Wissenschaftler sind mit dem Forschungsschiff „Nova“ auf dem Rhein unterwegs. Sie sammeln wichtige Daten für die Automatisierung der Binnenschifffahrt.
zum BeitragWährend die meisten Menschen in Duisburg noch schlafen, ist Hafenmeister Detlef Bours schon unterwegs mit dem Hafenkontrollboot „Hakon II“. Er hat alles im Blick, was sich auf dem Wasser bewegt.
Als sich in Ruhrort die Sonne langsam über den Horizont schiebt, geht Detlef Bours an Bord der Hakon II. Zwischen Kränen, Kaimauern und Wasserflächen herrscht im Duisburger Hafen schon Hochbetrieb, noch bevor der Rest der Stadt richtig wach ist. Im Jahr des 100-jährigen Bestehens der Betreibergesellschaft läuft hier einer der wichtigsten Logistikknotenpunkte Europas auf voller Leistung.
Bours trägt dazu seinen Teil bei – als Hafenmeister bei der Duisburger Hafen AG. Er macht mit dem Motorboot regelmäßige Kontrollfahrten. Doch bevor Bours zu seiner Morgentour ablegt, führt ihn der erste Weg in den Maschinenraum. Er blickt hinein und prüft die Anzeigen. „Alles in Ordnung“, sagt er. Dann macht er sich einen Tee, während die ersten Funksprüche einlaufen. Bours nimmt Platz am Steuer. Der Motor läuft an, die Hakon II setzt sich in Bewegung.

DETLEF BOURS, HAFENMEISTER
Der Duisburger Hafen ist der größte Binnenhafen der Welt, ein Umschlagplatz für Güter aus ganz Europa. Rund 1.400 Menschen arbeiten bei der Duisburger Hafen AG, die 1926 aus dem Zusammenschluss der damaligen Hafengesellschaften von Duisburg und Ruhrort hervorging. Ein Jahrhundert Hafenarbeit liegt hinter dem Unternehmen – und jeder Tag bringt neue Abläufe, neue Schiffe, neue Entscheidungen.
Das Thermometer zeigt an diesem Morgen bereits 30 Grad Celsius. Bours trägt eine dunkle Stoffhose, weißes Hemd und Krawatte. In seinem Beruf ist ihm auch die Etikette wichtig. „Als Hafenmeister sorgen wir dafür, dass Ordnung und Sicherheit gewährleistet sind und alles reibungslos funktioniert“, sagt der 60-Jährige.
UNTERWEGS AUF DER HAKON II

Bours fährt durch die inneren Hafenbecken. Von seinem Platz aus beobachtet er das Wasser, die Anlegestellen und den Verkehr. Schiffsführer aus Deutschland und den Niederlanden melden sich. „Jeden Tag kommen bis zu 20.000 Schiffe in den Hafen“, sagt der Duisburger. „Da muss man jederzeit wissen, wer da ist, welche Güter transportiert werden und ob alle Regeln eingehalten werden.“
Er kennt viele der Stimmen, die ihn über Funk erreichen. „Bei einigen habe ich schon mit deren Eltern zusammengearbeitet“, sagt der Hafenmeister. Es ist ein Satz, der nebenbei fällt, aber viel über den Hafen erzählt. Hier ist vieles im Fluss, aber nicht anonym. Die Fahrt führt weiter durch das Gebiet, das Bours ständig im Blick behalten muss. Zwischen Containerterminals, Industrieanlagen und Liegeplätzen verändert sich die Kulisse ständig.
In einem der Becken fällt ihm ein Schiff auf, das nicht richtig festgemacht hat. Bours greift zum Funkgerät. Er meldet sich beim Besitzer und weist darauf hin, die Leinen zu kontrollieren. „Auch wenn die Schiffe heute sehr sicher sind, wollen wir jedes unnötige Risiko ausschließen“, sagt Bours. „Gerade bei Gefahrgut gibt es keine Kompromisse.“
Seit 2025 navigiert er die Hakon II regelmäßig durch den Duisburger Hafen. Zuvor war sie als Lotsenboot in Dänemark unterwegs, bevor sie im niedersächsischen Barßel für den Einsatz im Ruhrgebiet umgebaut wurde. Das Wasserfahrzeug ist 13 Meter lang, hat rund 500 PS und ist ausgelegt für schnelle Fahrten zwischen den Hafenbereichen. In der Hakon II steckt mehr moderne Technik als im Vorgängermodell. Der Auftrag für den Hafenmeister ist derselbe geblieben. „Wir kontrollieren die Schiffe, sorgen für Sicherheit und sind als Ansprechpartner für die Besatzung da“, sagt Bours. Hafenmeister sind auch Kümmerer: Mal empfehlen sie einen Tierarzt für den Hund eines Binnenschiffers, am nächsten Tag sind dann Restaurant-Tipps gefragt.
Bours gießt sich noch einen Tee ein. Zur Ausstattung des Hafenkontrollboots Hakon II gehören eine kleine Küche und eine Schlafkabine. „Aber während der Schicht legen wir uns nicht ins Bett“, sagt Bours und lacht. Nur bei der Überführung spielte die Kabine eine Rolle. Vier Tage waren er und ein Kollege unterwegs, von Niedersachsen bis ins Ruhrgebiet. Einer steuerte, der andere ruhte.
Nun passiert die Hakon II das Pegelhaus. Die Anzeige verrät den aktuellen Wasserstand: 2,53 Meter. Auf der Plattform im Pegelhaus steht Jürgen Schmitz. Er ist ebenfalls Hafenmeister und grüßt seinen Kollegen auf dem Wasser. „Wir setzen im Alltag viel auf Technik und Daten, aber am wichtigsten ist weiterhin der direkte Kontakt zu den Menschen“, sagt Bours. In der Schifffahrt, sagt er, sei man immer eine Gemeinschaft gewesen. Früher habe man sich nach Feierabend noch getroffen, heute sei vieles schneller geworden. Zeit sei Geld. „Trotzdem ist dieses Miteinander geblieben“, sagt er.
Sein Weg in die Schifffahrt war nicht geplant. Nach dem Schulabschluss saß er im Berufsinformationszentrum. Zwei Vorschläge hatte der Berater: Gärtner oder Binnenschiffer. „Ich habe aber überhaupt keinen grünen Daumen“, sagt Bours. Also entschied sich der Teenager für das Wasser. Bours machte seine Ausbildung bei Haniel. Dann verbrachte er viele Berufsjahre auf einem Bunkerboot. „Das ist eine schwimmende Tankstelle, die Schiffe direkt auf dem Rhein versorgt“, erklärt Bours.
2008 folgte der Wechsel zur Hafenbehörde. „Ich habe die Latzhose gegen Hemd und Krawatte eingetauscht“, sagt Bours. „Das war genau die richtige Entscheidung, denn hier ist kein Tag wie der andere.“ Er gehört zu einem fünfköpfigen Team, das zuständig ist für ein Gebiet von Walsum im Norden bis Huckingen im Süden. Zwischen den beiden Stadtteilen liegen rund 20 Kilometer Wasserstraße, die täglich überwacht werden.
Die Fahrt der Hakon II geht weiter durch den Hafen. Bours blickt durchs Fernglas in die maritime Welt. Bald wird er den Steuersitz aber verlassen. In vier Jahren geht der Mitarbeiter der Duisburger Hafen AG in Rente. Er plant schon Urlaube, möchte Ziele am Meer bereisen. „Zum Wasser“, sagt Bours, „wird es mich auch im Ruhestand ziehen.“
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