Veröffentlicht im Januar 2026

DER AUFSTIEG DES FAHNENSCHWENKERS

Der MSV Duisburg ist nach einer grandiosen Saison in die 3. Liga zurückgekehrt. Fans wie Marcus Riehl haben die Zebras zum Aufstieg getrieben und blicken in eine vielversprechende Zukunft.

Als der Schlusspfiff im Borussia-Park ertönt, bricht es aus Marcus Riehl heraus. Er stößt einen lauten Jubelschrei aus. Dann stimmt der 50-Jährige ein in den Chor der 16.000 Fußballfans des MSV Duisburg. „Nie mehr 4. Liga“, brüllen sie durchs Stadion. Dann folgt die gesungene Liebeserklärung: „Du bist es schon immer gewesen. Du wirst es für alle Zeit sein. Die einzige, ganz große Liebe. Mein Herz schlägt für dich, Spielverein!“

An diesem sonnigen Aprilabend hat ihr Klub durch einen 1 : 0-Sieg bei Borussia Mönchengladbach 2 die letzten Zweifel beseitigt. Der MSV Duisburg ist Meister der Regionalliga West – und zurück in der 3. Liga.

Eine halbe Stunde nach Spielende verlässt Marcus Riehl das Stadion und läuft zu seinem Auto. Auf dem Parkplatz trifft er auf Bekannte. „War das eine geile Stimmung!“, ruft Marcus Riehl ihnen zu. Er setzt sich in seinen blauen Caddy, fährt los und reiht sich in einen Konvoi ein. Die Duisburger Reisegruppe steuert hupend die Autobahn an. Soll doch unterwegs jeder hören, dass die Zebras aufgestiegen sind!

Drei Wochen vor dem denkwürdigen Fuß­ballabend in Mönchengladbach stand Marcus Riehl mit einer weiß-blauen XXL-Fahne in der Schauinsland-Reisen-Arena. Die Duisburger haben ein Heimspiel. Der 1. FC Bocholt ist zu Gast. Und zum Vorprogramm gehört der Auftritt der Fahnenschwenker.

BEIM ZEBRA-TWIST AUF DEM RASEN

Rund zehn Minuten vor dem Anstoß ertönt der Zebra-Twist aus den Lautsprechern. „Wo Meiderich liegt, wo Meiderich siegt, ist überall bekannt“ – diesen Vers hat Marcus Riehl schon hunderte Mal im Stadion gehört. Er läuft mit seinem zehnköpfigen Team auf den Rasen, postiert sich an der Tribüne und lässt die große Fahne in einer Acht kreisen. 16 Kilogramm wiegt das Stück Stoff inklusive Stange. „Und wenn es regnet, verdoppelt sich das Gewicht“, erklärt Marcus Riehl. „Für die Aufgabe muss man schon ein bisschen was in den Armen haben.“

Er hat die nötigen Muckis – und die Erfahrung. Vor zehn Jahren suchte der Verein für seine Fahnenschwenker-Gruppe ehrenamtliche Verstärkung. Als Marcus Riehl eine Anfrage bekam, sagte er sofort zu. „Das war für mich eine große Ehre, schließlich gehe ich schon seit meiner Kindheit zum MSV“, berichtet der Edelfan. Als Jugendlicher fror Riehl auf den Stehrängen im alten Wedaustadion und jubelte seinem Idol Michael Tönnies zu. „Das war noch ein echter Mittelstürmer, der hat dem großen Oliver Kahn mal drei Tore in fünf Minuten eingeschenkt“, sagt er über die 2017 verstorbene MSV-Legende.

TRAUMA IM DFB-POKAL

Riehl hat seinen Klub auch auswärts oft begleitet – wie etwa im Frühjahr 1998. Da spielten die Zebras im Berliner Olympiastadion um den DFB-Pokal. Auf die Partie gegen den Bayern München blicken die Fans mit Stolz zurück – und doch steht sie für ein ewiges Trauma. Der Außenseiter führte im Endspiel. Bachirou Salou ließ erst Lothar Matthäus wie einen Anfänger stehen und schoss die Duisburger dann zum 1 : 0.

Später sorgte ein übles Foul für die Wende: Bayern-Profi Michael Tarnat holte Salou von den Beinen. Der MSV-Stürmer musste verletzt vom Platz. Tarnat entging einer Roten Karte. Und am Ende gewannen die Bayern die Partie noch mit 2 : 1. „Der Schiedsrichter wollte nicht, dass wir den Pokal holen“, sagt Riehl heute noch.

Wer MSV-Fan ist, muss leidensfähig sein. Das zeigte sich erst recht in der Saison 2023/2024. Die Duisburger gingen in der 3. Liga unter, stiegen sang- und klanglos ab. Der Verein lag am Boden. Nur zwei Spieler standen nach Saisonende noch unter Vertrag. Auch einen Trainer für die Regionalliga gab es nicht.

NEUAUFBAU NACH DEM ABSTIEG

Geschäftsführer Michael Preetz startete dann einen Neuaufbau. Er holte Dietmar Hirsch als Trainer, verpflichtete rund 20 neue Spieler. Preetz gab den „sofortigen Wiederaufstieg“ als Ziel aus. Dass die Mannschaft dem Anspruch gewachsen war, konnte im Sommer 2024 noch keiner ahnen.

Beim Saisonauftakt dominierten die weiß-blauen Trikots im Stadion. Dabei hatten die Duisburger ein Auswärtsspiel. Ganze 6.000 Fans begleiteten die Zebras zum FC Gütersloh. Sie sahen einen 1 : 0-Erfolg ihrer Mannschaft. Dieser Auftaktsieg sorgte für Euphorie. Ob beim SC Wiedenbrück, SV Rödinghausen oder Eintracht Hohkeppel – überall machten die MSV-Fans aus einer Auswärtspartie ein Heimspiel.

Marcus Riehl reist seinem Klub heute nur noch selten hinterher. Er engagiert sich ehrenamtlich als Jugendtrainer bei den Sportfreunden Walsum. „Am Wochenende sind die Spiele meiner beiden Mannschaften, da muss ich dabei sein“, erklärt Riehl. Wenn in der Schauinsland-Reisen-Arena der Ball rollt, ist er aber regelmäßig vor Ort. Insbesondere wenn er als Fahnenschwenker im Einsatz ist, etwa beim Spiel gegen Bocholt.

GETRÄNKE FÜR DIE ROLLSTUHLFAHRER

Die Gäste sind früh in Führung gegangen. Marcus Riehl sah den Treffer aber nur aus dem Augenwinkel. Die Fahne hat er zur Seite gelegt, nun wartet eine neue Aufgabe auf ihn: Riehl schnappt sich eine rote Kiste und macht sich auf zum Getränkestand. Er ordert eine Runde Pils, geht mit den gezapften Bieren zurück zum Block und verteilt die Becher an die Rollstuhlfahrer. „Wir Fans sind füreinander da, jeder soll das Spiel genießen“, betont Riehl.

In der zweiten Halbzeit erzielen die Duisburger den Ausgleich. Riehl jubelt verhalten, er ist heute nicht zufrieden mit der Leis­­tung. „Aber okay, den Aufstieg lassen wir uns nicht mehr nehmen“, sagt der Fahnenschwenker. Seine Prognose tritt am Ende ein.

Zurück auf der Autobahn: Marcus Riehl hat Mönchengladbach längst hinter sich gelassen. Er redet mit seinem Beifahrer über die kommende Saison. Sie sprechen über die anstehenden Duelle mit Traditionsvereinen wie 1860 München, Ale­mannia Aachen oder dem VfL Osnabrück. „Am meisten freue ich mich auf die Derbys gegen Rot-Weiss Essen“, betont Riehl. „Der MSV ist wieder zurück im Geschäft.“

Lust auf mehr?

Diesen und weitere Beiträge rund um Duisburg findest Du in der exklusiven Print-Ausgabe des ECHT-Magazins.

Mehr erfahren

Weitere Beiträge

EIN SPORTJAHR DER SUPERLATIVE

Duisburg richtet 2023 die Großereignisse Kanu-WM, „Ruhr Games“ und „Die Finals“ aus.

zum Beitrag

Von Duisburg ins Weltall

Eine Stadt im Aufbruch: Der Wirtschaftsstandort Duisburg steht für Innovation. So ist das Unternehmen Vertex ein Weltmarktführer bei der Entwicklung von Kommunikations- und Datenantennen sowie Teleskopen. Auf die Technik setzen auch die ESA und die NASA.

zum Beitrag