In der Schulimkerei der Alfred-Adler-Förderschule lernen Kinder nicht nur, wie Honig entsteht. Sie erfahren auch, was Teamarbeit und gutes Gespür für Tiere bedeutet. Nia ist bestens vorbereitet. Die Achtjährige trägt einen weißen Imkerhut mit Netz, Schutzkleidung und Handschuhe. In der Hand hält sie einen Smoker. Neben ihr steht Jadon, zehn Jahre alt, ebenfalls komplett ausgerüstet. Sein Werkzeug: ein Stockmeißel. „So, dann wollen wir mal anklingeln“, sagt Michael Vedder. Der Vorsitzende des Imkervereins Duisburg-Nord ist regelmäßig zu Besuch an der Alfred-Adler-Förderschule in Walsum. Er zeigt den Kindern, was in den Bienenstöcken auf dem Schulgelände passiert – und wie man sich den summenden Bewohnern vorsichtig nähert. Nia geht mit dem Smoker auf den Bienenstock zu. Rauch steigt auf, die Bienen werden unruhig und schwirren umher. Jadon setzt den Stockmeißel an und löst damit die Zargen. So nennt man die viereckigen Holzrahmen. In den Waben steckt eine klebrige, goldfarbene Masse. Vedder nimmt die Zarge in die Hand. „Das dürfte ein Kilogramm wiegen“, sagt er.
300 Kilogramm Honig geerntet
Das ist nur ein Bruchteil dessen, was die Schulbienen in diesem Jahr produziert haben. Rund 300 Kilogramm Honig holten die Schülerinnen und Schüler in dieser Saison aus den Waben. Sie schleuderten ihn, füllten ihn in Gläser und klebten die Etiketten darauf. Der süße Ertrag ist aber eigentlich nur das Nebenprodukt. „Wir setzen auf eine tiergestützte Pädagogik und haben in diesem Zuge die Schulimkerei gegründet“, erklärt Lehrerin Dr. Liane Yahya. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Julia Weyers absolvierte sie eine Imker-Ausbildung. Ihre Idee: Die Kinder und Jugendlichen sollen Natur nicht nur auf dem Smartphone oder Tablet erleben, sondern direkt vor der eigenen Nase. Also schuf die Schule Lebensraum für Bienen und bewarb sich erfolgreich um Fördermittel. Damit konnten neue Bienenstöcke angeschafft werden. Durch das Projekt „2000x1000 für junges Engagement“ der Stadt Duisburg gab es 1000 Euro für die Ausbildung von sechs Jungimkerinnen und Jungimkern. Im Jahr darauf folgte bei diesem Projekt eine weitere Förderung – diesmal erhielt die Schule 1000 Euro für einen digitalen Bienenstock.
Mit Sensoren und Wetterstation ausgestattet
Sensoren überwachen unter anderem Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Gewicht der Beute. Eine kleine Wetterstation liefert zusätzlich Daten aus der unmittelbaren Umgebung. So lässt sich das Bienenvolk hautnah beobachten, ohne jedes Mal den Stock öffnen zu müssen. Auch die Asiatische Hornisse ist dabei ein Thema. Der eingeschleppte Fressfeind macht dem Volk zu schaffen: Sie lauert vor den Fluglöchern und erbeutet die heimkehrenden Bienen. Doch die Schulimkerei soll nicht nur Wissen über Bienen und ihre Feinde vermitteln. Michael Vedder hat die Imker-Ausbildung für den Nachwuchs geleitet. Dabei ging es um weit mehr als das Bedienen des Smokers. „Unsere Schülerinnen und Schüler haben es später mitunter schwierig am Arbeitsmarkt“, sagt Liane Yahya. „Durch so einen Kurs lernen sie aber fürs Leben, denn zu der Ausbildung gehört es, pünktlich und zuverlässig zu sein. Und Teamarbeit ist gefragt.“
Arbeit mit Bienen lässt ein Mädchen aufblühen
Michael Vedder erlebt in Walsum, was die Arbeit mit den Bienen bei den Kindern auslösen kann. „Wir hatten ein Mädchen in der Gruppe dabei, die war am Anfang sehr zurückhaltend“, sagt der Fachmann. „Am Ende hat sie immer zum Stockmeißel gegriffen und sich um die Bienen gekümmert.“ Und dann gibt es da noch diese kleinen Momente, für die selbst ein Imkerkurs kaum einen besseren Lehrplan schreiben könnte. „Wenn ein Kind mit dem Finger durch die Wabe geht und dann den frischen Honig schleckt“, sagt Julia Weyers, „ist das immer ein schönes Erlebnis.“
