Beim „Tag der Trinkhallen“ wird am 29. August auch in Duisburg die Budenkultur gefeiert. In „Husemanns Büdchen“ in Neumühl kennt Verkäuferin Jacky Thalheim ihre Stammkunden – und weiß oft schon, was sie bestellen werden. Jacky Thalheim sieht einen bekannten Kunden und greift sofort zur Kaffeekanne. „Wie immer ohne Milch und Zucker“, ruft sie dem Mann zu. Wenige Sekunden später steht das heiße Getränk auf der Theke. Jacky Thalheim weiß, was bei ihren Stammkunden in die Tasse oder Tüte kommt. Das ist Alltag bei „Husemanns Büdchen“. Die Trinkhalle im Duisburger Stadtteil Neumühl hat Generationen mit Kaffee, Klümpkes und Herzlichkeit versorgt. Das Büdchen an der Gerlingstraße gehört zu den ältesten Kiosken der Stadt. Jacky Thalheim arbeitet seit gut einem Jahrzehnt dort. „Ich mag diese bunte Mischung der Kundschaft“, sagt sie. „Hier treffen sich Menschen unterschiedlicher Kulturen und verschiedener Gehaltsklassen, um einfach über Gott und die Welt zu sabbeln.“
Elf Trinkhallen aus Duisburg sind dabei
Am Samstag, 29. August 2026, wird es bei „Husemanns Büdchen“ noch etwas lebhafter. Dann beteiligt sich die Trinkhalle am Tag der Trinkhallen. Die Ruhr Tourismus GmbH hat das Format 2016 ins Leben gerufen. Alle zwei Jahre wird dabei die Budenkultur des Ruhrgebiets gefeiert. Elf Trinkhallen aus Duisburg sind diesmal dabei, vier davon als Programmbuden. „Husemanns Büdchen“ gehört zu ihnen. Von 15 bis 22 Uhr können Besucher Dosen werfen, sich beim Karaoke messen oder bei Musik und Poetry-Slam zuhören. Zudem bauen die Betreiber einen Grill auf, und die Kinder können auf der Hüpfburg toben. „Auf den Samstag freue ich mich schon seit Wochen“, sagt Jacky Thalheim.
Liebesglück an der Büdchentheke
Die gebürtige Berlinerin sieht sich ohnehin nicht nur als Verkäuferin. „Im Büdchen bin ich auch oft Psychologin“, sagt sie. Wer eine Lebenskrise hat, sucht bei Jacky Thalheim schon mal Rat. Und manchmal nimmt das Glück seinen Anfang an der Büdchentheke. Kunden kamen miteinander ins Gespräch. „Und später sind die als Paar wieder gekommen“, berichtet sie. Eine Stammkundin verabschiedet sich. „So, ich muss jetzt mal langsam zur Arbeit“, sagt sie. „Aber nach Feierabend komm ich wieder vorbei. Ich muss ja wissen, was es Neues gibt.“ Damit liefert sie eine Erklärung dafür, warum Trinkhallen im Ruhrgebiet bis heute mehr sind als Orte, an denen man sein Bierchen, Zigaretten oder eine Zeitung kaufen kann.
